Kommunale Wärmeplanung · Abschlussbericht Mai 2025
Wärmewende Herzberg (Elster)
Daten aus dem KWP-Abschlussbericht · Auftragnehmer: Mobilitätswerk GmbH / Zukunftsplanungswerk Dresden
Ziel: Klimaneutral 2045
Jährlicher Wärmebedarf
136,8
GWh pro Jahr
Reduktion nötig
CO₂-Emissionen (Wärme)
35.372
t CO₂-Äq. / Jahr
Ziel: 0 bis 2045
Fossiler Heizungsanteil
82 %
aller Gebäude
Sehr hoch
Emissionen pro Person
4,1
t CO₂-Äq. / Person / Jahr
Über Bundesschnitt
Erneuerbares Wärmepotenzial
357,9
GWh / Jahr nutzbar
2,6× heutiger Bedarf
Gebäude mit Wärmebedarf
4.763
Gebäude gesamt
60 % Wohngebäude
Erdgas 41,5 % Heizöl 40,0 % Wärmepumpe 5,1 % Wärmenetz 1,1 % Sonstige 12,3 %
Heizungsenergiemix Herzberg: Gas 41,5%, Öl 40%, WP 5,1%, Wärmenetz 1,1%, Sonstige 12,3%
Ergebnis: Etwa 82 % der Gebäude werden mit fossilen Brennstoffen (Gas und Öl) beheizt – deutlich mehr als im Bundesschnitt. Wärmepumpen spielen mit 5,1 % noch eine untergeordnete Rolle.
Wohnen 50,8 % GHD 27,4 % Öffentlich 13,1 % Industrie 8,9 %
Wärmebedarf: Wohnen 69,5, GHD 37,5, Öffentlich 17,9, Industrie 12,2 GWh
Öffentliche Gebäude machen 13,1 % des Wärmebedarfs aus – überdurchschnittlich hoch (Kreisstadt). Das ist zugleich ein direkter Hebel für die Stadt als Eigentümerin.
Sektor Gebäude Anteil Wärmebedarf THG-Emissionen Anteil Emissionen
Wohngebäude 2.878
50,8 %
18.040 t CO₂-Äq. 51 %
GHD (Gewerbe, Handel, DL) ~1.714
27,4 %
9.904 t CO₂-Äq. 28 %
Öffentliche Gebäude ~476
13,1 %
4.245 t CO₂-Äq. 12 %
Industrie ~95
8,9 %
3.183 t CO₂-Äq. 9 %
Schlüsselbefund: 71 % der Wohngebäude wurden vor 1979 errichtet – vor Einführung jeglicher Wärmeschutzstandards. 42,6 % fallen in die schlechtesten Energieeffizienzklassen F, G oder H. Das bestehende Fernwärmenetz (5 km Länge, 42 Gebäude, envia THERM GmbH) versorgt derzeit nur 1,1 % der Gebäude, hat aber erhebliches Ausbaupotenzial.
Luftwärme (Wärmepumpen) Solarthermie Freifläche Biomasse Oberflächennahe Geothermie Solarthermie Dach
Wärmepotenziale: Luftwärme 127,5, SolarthFreifläche 78,7, Biomasse 69,2, Geothermie 59,5, Solarthermie Dach 23 GWh/a
Gesamtpotenzial Wärme: 357,9 GWh/Jahr – das ist das 2,6-Fache des heutigen Gesamtwärmebedarfs (136,8 GWh/a). Eine vollständige erneuerbare Wärmeversorgung ist bilanziell möglich.
PV-Freiflächen 166,8 GWh PV-Dachanlagen 134,4 GWh Windkraft 15,8 GWh
Strompotenziale: PV-Freifläche 166,8, PV-Dach 134,4, Windkraft 15,8 GWh/a

PV-Strom treibt Wärmepumpen an – damit wächst die Stromerzeugung zur indirekten Wärmequelle. Bei Windkraft bestehen Höhenbeschränkungen (Einzelfallprüfung erforderlich).

EnergiequelleStrom (GWh/a)Wärme (GWh/a)Einschätzung
Luftwärme (Wärmepumpen)127,5Hauptquelle dezentral
PV-Freiflächen166,8Ausbau sinnvoll
PV-Dachanlagen134,4Ausbau sinnvoll
Solarthermie Freifläche78,7Für Wärmenetz geeignet
Biomasse69,2Für Wärmenetz geeignet
Oberflächennahe Geothermie59,5Dezentrale WP-Unterstützung
Solarthermie Dach23,0WP-Unterstützung
Windkraft15,8Einzelfallprüfung
Tiefengeothermiek. A.Mittelfristig unwahrsch.
Abwasserwärme / Abwärme≥ 1,7Kein wirtsch. Potenzial
Erdgas Heizöl Wärmepumpe Wärmenetz Sonstige
Szenarien-Vergleich 2025 vs 2045
KriteriumS3: WärmenetzS4: DezentralS5: Grüne Gase (Biomethan)
Gesetzliche Priorität (WPG) Hoch – explizit gefördert Erfüllt Erfüllt
Kostenrisiko Hoch (Infrastruktur), aber planbar Hoch (Einzelinvestitionen) Sehr hoch (Biomethanknappe Ressource)
Steuerbarkeit Hoch – zentral planbar Gering (dezentral) Gering (Marktabhängig)
Bestehende Infrastruktur Ja – 5 km Netz vorhanden Nein – Stromnetz muss ausgebaut werden Teilweise
Empfehlung (Zielszenario S3): Ausbau des bestehenden Fernwärmenetzes in der Kernstadt, Einbindung von Biomasse- und Solarthermiequellen, kombiniert mit Wärmepumpen in nicht erschließbaren Außenbereichen. Netzentgelte der Gaskunden werden bis 2045 stark steigen – ein weiteres Argument für den frühzeitigen Umstieg.
01
KPI-Ampel mit Fortschrittsanzeige und Zeithorizont
Sechs bis acht Schlüsselindikatoren – CO₂-Emissionen, fossiler Gebäudeanteil, Sanierungsrate, Wärmenetzanschlussgrad, EE-Anteil, Netzentgeltentwicklung – werden als farbkodierte Kacheln dargestellt. Rot/Gelb/Grün (Ampelprinzip) signalisiert Handlungsbedarf auf einen Blick. Ein Zeitstrahl zeigt den Pfad vom Ist-Stand (2023/2025) zu den Meilensteinen 2030, 2035, 2040 und 2045. Jede Kachel verlinkt auf einen Detailbericht.
Stadtrat / Politik Bürgerschaft Jahresbericht Monitoring Fortschreibung WPG
02
Interaktiver Sektorenvergleich mit Einsparschieberegler
Jeder Sektor (Wohnen, GHD, Öffentlich, Industrie) wird mit seinem CO₂-Anteil, dem Einsparpotenzial und konkreten Maßnahmen auf einer Karte dargestellt. Zwei interaktive Schieberegler erlauben das Durchspielen verschiedener Sanierungsraten (z. B. 1 % vs. 2 % pro Jahr) und Heizungsumstellungsgeschwindigkeiten – die verbleibenden Emissionen im Jahr 2045 aktualisieren sich in Echtzeit.
Stadtrat Planungsamt Fachpolitik Szenario-Tool Klimaschutzbericht
03
Mein-Kiez-Tool: Wärmeversorgung nach Adresse oder Ortsteil
Bürgerinnen und Bürger geben ihre Adresse (oder wählen ihren Ortsteil) ein und erhalten drei Informationen: (a) ob ihr Baublock als Wärmenetz-Eignungsgebiet, Wärmepumpen-Gebiet oder Übergangsgebiet eingestuft ist, (b) die voraussichtliche Versorgungsform bis 2035 gemäß Zielszenario S3, (c) passende Förderprogramme (BEW, BEG, KfW) und lokale Beratungsangebote. Datenbasis: Baublockklassifikationen und Eignungsstufen aus dem vorliegenden Bericht.
Bürgerschaft Eigentümer Transparenz Förderberatung Bürgerportal
Alle drei Best Practices teilen dieselben Designprinzipien: eine Zahl pro Kachel (keine Tabellen in der Übersicht), Farbe kodiert Dringlichkeit – nicht Ästhetik –, und jede Ansicht endet mit einem klaren nächsten Schritt (Beratung, Förderantrag, Stadtratsbeschluss).
DatenkategorieQuelleMethode / Besonderheiten
Gebäudestruktur ALKIS (amtl. Liegenschafts­kataster) Flächenverschneidung, Nutzungsarten, Funktionsbeschreibungen
Gasverbrauch (leitungsgebunden) Netzbetreiber (aggregiert je 5 Hausnummern) Messkunden-Zeitreihe 2021–2023; Datenschutzaggregation
Öl-/Biomasse-Wärmebedarf Modellberechnung auf Basis ALKIS Gebäudetyp × Baualter × beheizte Fläche × Energiesignatur
Fernwärmeverbrauch envia THERM GmbH Jahresabrechnung 2023: 7.347 MWh; 42 Gebäude, 5 km Netz
Heizungsbestand (Feuerungsstätten) Bezirksschornsteinfeger (Kehrbuch) 45 % ohne Angabe zum Baujahr → Lücke beachten
THG-Emissionen Berechnet aus Endenergieverbräuchen CO₂-Äq.-Emissionsfaktoren inkl. Vorkette (scope 1+2+3 anteilig)
EE-Potenziale (Dach, Freifläche) ALKIS + Satellitenauswertung; Forstamt; LGRB GIS-Flächenanalyse, Eignungsmodell nach KPI-Gewichtung
Sozioökonomie Statistik Berlin-Brandenburg, Zensus 2022 Einwohnerzahl, Altersstruktur, Leerstandsquote, Kaufkraft
KPIBasiswert 2023EinheitZielwert 2045Aktualisierung
Gesamtwärmebedarf136,8GWh/a~50–60 (nach Sanierung + WP)Jährlich (Netzdaten)
Endenergieverbrauch Wärme155,3GWh/adeutlich reduziertJährlich
THG-Emissionen Wärme35.372t CO₂-Äq./a≈ 0Jährlich
Fossiler Gebäudeanteil82%< 5 %Alle 3–5 Jahre (Kehrbuch)
Wärmenetz-Anschlussgrad1,1% der Gebäude~25–30 % (Kernstadt)Jährlich (Netzbetreiber)
EE-Anteil am Wärmebedarf~6%100 %Jährlich
Jährliche Sanierungsrate< 1%/a≥ 2 %/aJährlich (ALKIS-Vergleich)
Nutzbares EE-Wärmepotenzial357,9GWh/aFortschreibungAlle 5 Jahre (WPG)
Hinweis zur Datenlage: Für ca. 45 % der Feuerungsstätten fehlen Angaben zum Baujahr (unvollständige Kehrbuchdaten). Energiebedarfe von Nicht-Wohngebäuden ohne Netzanschluss sind modellbasiert berechnet. Das Dashboard zeigt daher Größenordnungen und Trends – keine exakten Messwerte. Eine Fortschreibung der Wärmeplanung ist gemäß WPG alle fünf Jahre vorgesehen. Erste Fortschreibung: voraussichtlich 2030.